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Hochzeit auf Ruandisch

Autor: Eunike | Datum: 09 Dezember 2013, 16:23 | 1 Kommentare

Der Tag begann sehr früh, denn ich hab die Nacht bei Monique genächtigt, die gerade in der nächstgrößeren Stadt von Kigeme, Nyamagabe, ein Seminar hat. Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

Da die Hochzeit, auf der ich für den Samstag eingeladen war, direkt im Vorgarten des Gästehauses, in dem Monique mit dem Seminar residiert, stattfand, habe ich bei ihr geschlafen. Leider musste sie wegen ihres Programms um 5 Uhr morgens raus und bis sieben Uhr war das Haus von all den Teilnehmern recht laut. Nach vielen Pausen im Schlaf, bin ich dann um 8.30 aufgestanden um zu duschen und mir eben Mandasi(so kleine frittierte Teigtaschen) zum Frühstück zu kaufen.

Um 10 Uhr sollte die Zeremonie beginnen, doch als ich um 10 Uhr hinuntergehe, ist der Aufbau noch voll im Gange und kein Gast da. Okay, das hätte ich mir nach drei Monaten eigentlich denken können, dass Zeiten hier recht relativ sind und nicht wie in Deutschland total festgelegt.

Letztendlich hat die Zeremonie dann um 11 begonnen. Mit Zeremonie meine ich nicht einen Gottesdienst, der kam später. Nein, die Zeremonie vorher ist wohl die amüsanteste des Tages. Ein Moderator führt das Programm. Zuerst wir gebetet und ein Chor trat auf. Danach kam der Teil, der für alle anderen Gäste außer mir wohl der spannendste war. Da ich leider wenig bis gar nichts verstanden habe, trotz meiner immer besseren Kinyarwandakenntnisse, konnte ich diesen Teil nicht richtig genießen. In dieser Phase der Zeremonie überredet der Vater des Bräutigams oder ein anderer Repräsentant der Bräutigamsfamilie die Familie der Braut, warum sie denn genau dem Bräutigam ihre Tochter geben sollten. Dazu werden viele Geschenke gereicht, wie Cola, Fanta, Wein, Körbe und am Ende Geld. Traditionell schenkt man als letztes Geschenk eigentlich eine Kuh, aber bei dieser Hochzeit wurde sie mit Geld ersetzt. Im Anschluss, wo eigentlich die Kuh von einem alten Mann besungen wird, war in diesem Fall es so, dass zwei junge Männer sich verkleidet haben und wohl auf ganz witzige Art, denn alle haben ständig gelacht, diesen Tanz imitiert haben.

 Nachdem viel geredet, geschenkt, und die Masse zwei 1,5 Stunden unterhalten wurde, kommt endlich die Braut herein. Sie kommt mit drei Männern vor ihr mit Holspeeren und mit vier Brautjungfern. Zu dem Zeitpunkt hat sie eine traditionelle Ruandische Robe an. Der Bräutigam, der bis dahin versteckt hinten mit seinen Freunden saß und ähnlich gekleidet ist, wie die Begleiter der Braut muss nun noch diese überreden bis er endlich zu seiner Braut gehen darf um ihre Hand zu nehmen.

Wow, endlich haben sie sich, aber damit ist es nicht vorbei.

Jetzt wird eine Art Wein, der mit Kohlensäure versetzt ist, ordentlich geschüttelt, damit beim Aufmachen ordentlich der Korken knallt. Das Brautpaar muss sich nun gegenseitig etwas zu trinken geben. Darauf folgt das Essen, was sie sich auch gegenseitig geben müssen. In dieser Phase bekommt auch die Zuschauermasse und ich sage mit Absicht „Masse“, da es hier umso schöner ist, je mehr Menschen zu einer Hochzeit kommen. Jedenfalls bekommen alle Gäste auch Essen, nachdem sie während der Überredungsreden schon ein Softgetränk gereicht bekommen haben. Das Essen wird in fertigen Aluschalen gereicht, in dem das Essen mit Gabel und Servierte liegt. Darin finden sich dann ne Kartoffel, ein Stück Fleisch, vielleicht ne Kochbanane oder auch ein paar Erbsen. Ich finde es eine sehr witzige Art viele Menschen auf einmal zu versorgen und ich freu mich immer, auch wenn das Essen kalt ist dadurch.

Nun geht es endlich in die Kirche, aber auch dieser Prozess vom einen Ort zum anderen und bis der Gottesdienst beginnt dauert eine Stunde. Das Brautpaar, dass sich nun ein pompöses, weißes Hochzeitskleid und einen Anzug trägt, zeiht unter Schwertern ein. Die Trauung kann beginnen und das ist einem deutschen Trauungsgottesdienst doch sehr ähnlich. Die Gelübde werden gesprochen, Ringe getauscht, Chöre singen, es wird über die Ehe gepredigt und nach weiteren 1-2 Stunden ist auch der Gottesdienst vorbei und es geht in die Halle auf das Fest.

Da die Halle ein wenig weiter weg war und ich viele Freunde in einem Chor habe, der aufgetreten war, durfte ich in ihrem Bus mitfahren. Der war aber auch vollkommen voll und es war sehr witzig mit den Menschen Tetris zu spielen, sodass wirklich alle in diesen einen Bus passen.

Angekommen haben wir uns in die stehenden Stuhlreihen gesetzt und auf das Brautpaar gewartet. Das hat auch wieder seine halbe Stunde in Anspruch genommen. Es kam dann von ihrem Fototermin und ist mit großen Brumborium in die Halle eingezogen und hat zusammen das Band unter dem Einzugsbogen durchgeschnitten. Danach wurde auch die Hochzeitstorte angeschnitten, wieder Wein geöffnet, wieder den anderen füttern usw. Währenddessen bekamen die Gäste dann nochmal einen Softdrink und Essen in Aluschalen. Danach wurden weitere Geschenke zwischen den Familien getauscht bis das Paar nach vorne trat um die Geschenke der Gäste anzunehmen. Die Gäste und auch ich haben sich dann in einer langen Reihe aufgestellt und ihre Geschenken überreicht. Zu dem Zeitpunkt war es schon 17.30 Uhr und daher sind viele und auch ich gegangen.

Die Hochzeit war echt nett und ein Erlebnis, allerdings tat danach mein Po vom vielen Sitzen weh.

Ach, ganz nebenbei war es die Hochzeit vom Bruder meines Mentors, dem Leiter des Krankenhauses, und somit kannte ich das Brautpaar gar nicht:D Das macht hier aber nicht so viel.

Ich bin gespannt, wann die nächste Hochzeit stattfindet und welche Unterschiede es da gibt. Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Eindruck von meinem Samstag geben, auch wenn ihr viel lesen musstet. So oder so ähnlich sind im groben ruandische Hochzeiten;)

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